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Epenwöhrden

Denkaml Dusenddüwelswarf

 

Zu viel Freiheit mündet in Gewalt

In Epenwöhrden im Kreis Dithmarschen befindet sich die Dusenddüwelswarf, ein aufgeschütteter Erdhügel, auf der ein Denkmal steht, das an die Schlacht vor Hemmingstedt am 17. Februar 1500 erinnert. In dieser Schlacht verteidigten die Dithmarscher Bauern ihre Unabhängigkeit, der unerwartete Ausgang galt als militärische Sensation. Damals siegten die Bauern gegen die zahlenmäßig deutlich überlegenen Heere aus Dänemark, Holstein und Oldenburg. Das 400 Jahre später errichtete Denkmal weist darauf hin, wie sehr dieser Sieg die Dithmarscher in ihrem Zusammengehörigkeitsgefühl und Selbstverständnis gestärkt hatte. Die Spitze dieses Denkmals bildet ein viele Tonnen schwerer Findling, auf dessen Nordansicht ein äußerst selbstbewusster, plattdeutscher Spruch eingemeißelt ist: Wahr di Garr de Bur de kumt. Auf Hochdeutsch heißt es: Nimm dich in Acht, Garde, der Bauer, der kommt.

Etwa 80 Meter nördlich der Dusenddüwelswarf steht ein Informations-Pavillon, hinter dessen Glasscheiben der Hergang der Schlacht durch zahlreiche kleine Puppen dargestellt wird. Zudem erhalten Besucher durch bebilderte und schriftliche Informationen einen Eindruck von dem geschichtlich bedeutsamen Ereignis. — Diese Infos können in den nebenstehenden Bildern eingesehen werden, die mit "Info deutsch 1" bis "Info deutsch 6" gekennzeichnet sind.

Klicken Sie auf eines der Bilder, dann können Sie es in einem neuen Fenster in einer größeren Version anschauen.

Fragt man Menschen, was am wertvollsten für eine Gesellschaft ist, dann wird vielfach die Freiheit an vorderster Stelle genannt. Sie ist wie das Atmen, die Unbeschwertheit zu wissen: Was der Tag auch bringen wird, es liegt in der eigenen Hand, wie wir vorwärtskommen. Drei Arten der Freiheit bestimmen den Puls des Lebens: Die Freiheit zur Selbstbestimmung (Freiheit vor Unterdrückung), die Meinungsfreiheit und die Reisefreiheit. Als verinnerlichte Werte haben sie entscheidenden Einfluss auf den Charakter eines Menschen. Und das nicht nur auf den Einzelnen. Wenn gar die Mehrheit einer Gesellschaft der Ansicht ist, dass die Freiheit eines ihrer höchsten Werte sei, dann wird diese Werthaltung kennzeichnend für das ganze Volk. Freiheit wird zum Sinnbild fürs Leben. Auf ihr baut alles Streben und Handeln auf, sie gilt dem Volk als stützender Grundpfeiler, auf ihr ruhen der Wohlstand, Macht und Besitz, von ihr hängt es ab, welche Möglichkeiten der Einzelne hat, um sich uneingeschränkt entfalten zu können. Da der Freiheit eine so enorme Bedeutung zugemessen wird, erscheint Ihre Verteidigung geradezu zwingend. Jedes Mittel dafür ist letztlich recht.

Andererseits gibt es Völker, in denen Freiheit einen ganz anders gearteten Stellenwert hat. In einigen asiatischen Kulturen ist es üblich, sein persönliches Wohl stärker der Gemeinschaft unterzuordnen, als es in westlich geprägten Kulturen der Fall ist. So gilt es in Japan als Ehrensache, nicht seinen ganzen Jahresurlaub zu nehmen, sondern auf ein paar Tage zugunsten des Arbeitgebers zu verzichten.

Freiheit ist eher eine Kopfsache als ein genau festlegbarer Zustand. Jeder Mensch versteht unter Freiheit etwas anderes, jeder gewichtet anders, in welcher Form sein ganz persönliches Freiheitsbedürfnis erfüllt wird. Tatsächlich ist jedoch niemand vollkommen frei, solang er auch nur die geringste Rücksicht auf das Leben eines anderen nehmen muss. Eine solche Rücksichtnahme sieht ein zivilisierter Mensch ohnehin als Selbstverständlichkeit an. Freiheit ist immer auch die Verpflichtung zur Selbstbeschränkung. Wie lautet die jahrhundertealte Norm, die "Goldene Regel", für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und Fortbestand? „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“

Geregelt ist das hauptsächlich in Gesetzen. Allerdings halten sich die wenigsten von uns 100-prozentig daran. Als Kavaliersdelikt gilt z. B. das Überschreiten einer Straße bei roter Ampel. Und nahezu jeder Autofahrer legt Geschwindigkeitsbeschränkungen nach eigenem Gutdünken aus. Von anderen Zeitgenossen wird der Umweltschutz davon abhängig gemacht, wie sehr sie sich dadurch in ihrem persönlichen Leben eingeschränkt fühlen. Genauso begehen viele Betrug an anderen Menschen, wenn sie es als vorteilhaft für sich selbst oder als gerecht empfinden.

Jede noch so kleine Verfehlung ist ein Ausdruck dafür, dass sich der egoistisch verhaltende Mensch im Besitz der Meinungshoheit glaubt. Im Grunde ist es ein Ausdruck für seine Unfähigkeit, gesetzeskonform zu denken und zu leben. Vielleicht mangelt es ihm dafür schlicht an Selbstvertrauen. Wer mag sich schon an Gesetze und Moral halten, wenn diejenigen, die es nicht tun, scheinbar so viel mehr Vorteile davon haben? Warum sollte man auf das übergroße, durstige Auto verzichten, wenn dieses so ungemein vorteilhaft für das eigene Ansehen ist? Schwäche lässt sich am besten mit Geld und Macht übertünchen, das hat sich seit Jahrhunderten bewährt, das stärkt das eigene Selbstvertrauen.

Es gibt tausende von Möglichkeiten, sich gegenüber anderen Vorteile zu verschaffen. Doch jedes moralische Vergehen wird zu Lasten eines anderen Menschen begangen. Dieser andere bekommt es zu spüren. Aufgrund dessen meint der Benachteiligte nun, dass der regelwidrig handelnde Mensch kein Anrecht darauf hat, wie eine ehrbare Person behandelt zu werden. Es entsteht ein offener oder verdeckter Konflikt. Der Benachteiligte spricht dem Missetäter mehr und mehr seine Rechte ab, jener wird als unwürdig hingestellt, bis es richtig knallt. Gewalt und Kriege sind lediglich eine Übertreibung zur Durchsetzung der eigenen Interessen. Verabscheuungswürdig sind sie nur für Außenstehende.

Jeder Krieg ist ein Ausdruck für die Unfähigkeit, ihn zu vermeiden. Jeder Krieg legt die eigenen Schwächen bloß, auf beiden Seiten. Solange so viele Menschen gegen Normen ihrer Gemeinschaft verstoßen, um sich selbst Vorteile zu verschaffen, tritt bei Auseinandersetzungen überall ein Mangel an Glaubwürdigkeit zutage. Der kleine Makel wächst und wächst durch jedes weitere Fehlverhalten, bis alles zusammen dem Gegner wie ein Höllenschlund erscheint.

Es gibt Staaten wie die USA, die die Abtreibung von ungeborenen Kindern verdammen, aber es durch inhumane Waffengesetze zulassen, dass in ihrem Land jährlich über 30.000 Menschen erschossen werden. Wo ist da die moralische Glaubwürdigkeit? Diese lässt sich vielleicht durch viel gekonnte Beredsamkeit irgendwie herbeireden. Aber für Außenstehende bleibt es unglaubwürdig, dass es den USA wirklich um den Schutz von menschlichem Leben geht. Viel wichtiger als das Leben ist ihnen ihre nationale Identität, der Stolz, die nahezu ungezügelte Freiheit, dass so unermessliche Macht (über das Leben) auch in den Händen von kleinen Leuten liegt. Für ganz ähnlich fragwürdige Wertvorstellungen starben in der Menschheitsgeschichte schon Millionen.

In anderen Staaten verhält es sich mit der moralischen Integrität kaum besser. Die wirtschaftliche Unterjochung von schwächeren Staaten leistet sich jeder, der es auch nur irgendwie durchsetzen kann. Zur Rechtfertigung wird auf den Erhalt des eigenen Wohlstands verwiesen und selbstverständlich auf die eigene, die vermeintlich wertvollste Nationalität. Ausbeutung und Nationalismus gingen schon immer Hand in Hand. Zumindest in Europa ist allerdings der Durchblick sehr eingetrübt, wenn es um die nationale Identität geht. Es lässt sich genetisch nachweisen, dass die meisten Europäer in den vergangenen Jahrhunderten miteinander verwandt geworden sind. Gen-Forscher haben sogar herausgefunden, dass sich die genetischen Wurzeln der meisten Europäer mit dem einen oder anderen Adelsgeschlecht kreuzen. Nahezu jeder Europäer darf davon ausgehen, dass sie oder er mit der Königin von England, dem König von Spanien, den Niederlanden, dem von Schweden oder aus sonst einem Staat verwandt ist. Sonderbarerweise hauen sich die Verwandten gern gegenseitig die Köpfe ein. Ja, das machen viele Tierarten auch, das fördert die Auslese der Stärksten. Wenn das der tiefere Sinn für Kriege ist, dann braucht die Menschheit noch ein paar Jahrtausende geistiger Entwicklung, bis sich untereinander genügend Vertrauen aufgebaut hat, um es gar nicht erst zu einer Kriegsgefahr kommen zu lassen.

Was ist der Kampf für die Freiheit nun wert? Ihren eigentlichen, nachhaltigen Wert erlangt sie nur in Verbindung mit uneingeschränkter Glaubwürdigkeit. Es darf kein gegenseitiges Misstrauen entstehen. Dadurch lässt sich deutlich das Risiko vermindern, seiner Freiheit beraubt zu werden. Freiheit darf niemals mit Gewalt erkämpft, sie sollte allenfalls verteidigt werden. Man muss sie sich mit Überzeugungskraft erarbeiten, wenn sie beständig sein soll. Ein Mittel zur Garantie der eigenen Freiheit kann es sein, sich unentbehrlich zu machen. In der Zusammenarbeit liegt der Schlüssel zum Leben.

Ort: Epenwöhrden, eine Gemeinde im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein. Die Gemeinde hat knapp 800 Einwohner, ihre Bebauung wird überwiegend von modernen Einfamilienhäusern bestimmt. Überregional bekannt ist Epenwöhrden dadurch, dass auf dem Gemeindegebiet die Gedenkstätte Dusenddüwelswarf steht.

Wo liegt  Epenwöhrden  auf der Landkarte? Ansehen in: Google-Maps

Informations-Pavillon
Informations-Pavillon

Kämpfer aus dem Mittelalter
Kämpfer Mittelalter

Kampfszene am Graben
Kampfszene am Graben

Kampfszene im Marschland
Kampfszene im Marschland

Kampfszene Schanze
Kampfszene an der Schanze

Raubzug im Dorf
Raubzug im Dorf

Info englisch
Kurzinfo in englisch

Info deutsch 1
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Info deutsch 2
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Info deutsch 3
Info deutsch 3

Info deutsch 4
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Info deutsch 5
Info deutsch 5

Info deutsch 6
Info deutsch 6